Die Warnung der Bevölkerung in Gefahrensituationen ist grundsätzlich nicht Aufgabe einer öffentlichen Feuerwehr, steht aber meist im unmittelbaren Zusammenhang mit der Alarmierung oder dem Einsatz einer Feuerwehr. Die Bevölkerung wird gewarnt vor Luftangriffen, biologischen, chemischen oder nuklearen Gefahren, Hochwasser/Sturmflut und vielem mehr.
Der Beginn einer flächendeckenden und systematischen Bevölkerungswarnung liegt im Zweiten Weltkrieg, dort hatte man Sirenen zunächst ausschließlich zur Warnung vor Luftangriffen genutzt. Anfang der 1950er Jahre wurde der Zivil- und Katastrophenschutz in Deutschland neu organisiert. In der BRD übernahmen die neu eingerichteten Warnämter im Geschäftsbereich des Bundesamtes für Zivilschutz die Aufgabe der Warnung der Bevölkerung, in der DDR der Zivilschutz. In beiden Staaten wurde sukzessive ein flächendeckendes Sirenennetz installiert. Alleine in der BRD wurden bis Anfang der 1990er Jahre etwa 80.000 Sirenen aufgestellt. Diese Sirenen wurden, wie auch in der DDR, nicht nur zur Warnung der Bevölkerung, sondern auch zur Alarmierung der Feuerwehren genutzt.
Nach der Wiedervereinigung wurde das Sirenennetz in Deutschland nach und nach ausgedünnt, denn man sah auf Grund der geänderten sicherheitspolitischen Lage keinen Nutzen mehr für diese und hielt Sirenen obendrein noch für ein Relikt des Kalten Krieges. Die noch vorhandenen Sirenen gingen vom Zuständigkeitsbereich des Bundesamtes für Zivilschutz auf die jeweiligen Gemeinden über.
Einige Gemeinden haben die Sirenen gänzlich abgeschafft, andere haben die Stückzahl stark reduziert. Einige wenige Städte und Regionen haben ihr umfangreiches Sirenennetz jedoch erhalten, beispielsweise Aachen, Dresden, Düsseldorf, Mönchengladbach und Saarbrücken. Im Jahr 2021 wurde die Zahl der einsatzbereiten Sirenen in Deutschland auf rund 35.000 geschätzt. Mittlerweile dürfte diese Zahl aber wegen der "Renaissance" der Sirenen deutlich höher sein.
Zwischenzeitlich wurden neben der Sirene noch andere Möglichkeiten zur Warnung der Bevölkerung getestet. Weitgehend durchgesetzt haben sich die Warnung über Radio/Fernsehen, Lautsprecherwagen und auch diverse Warn-Apps, beispielsweise KATWARN, BIWAPP oder die App des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe NINA.
Über lange Zeit erfuhr das Thema „Warnung der Bevölkerung“ in der Öffentlichkeit nur wenig Aufmerksamkeit. Erst die verheerende Flutkatastrophe im Ahrtal im Jahr 2021 schaffte ein neues Bewusstsein für diese sehr wichtige Thematik. Man musste feststellen, dass die vorhandenen Strukturen für eine effektive Warnung nicht genutzt wurden oder nicht ausreichten.
Der Bund hat hier sehr zügig reagiert und ein Förderprogramm zum Wiederaufbau eines flächendeckenden Sirenennetzes aufgelegt. Die Sirenen überzeugen gegenüber Warn-Apps vor allem dadurch, dass sie von jedem wahrgenommen werden, auch bei Ausfall des Mobilfunknetzes funktionieren und sich die betroffenen Personen vorher keine App herunterladen müssen, also sich Gedanken machen müssen, ob sie gewarnt werden möchten.
Derzeit verfügt die Insel Poel über nur einen Sirenenstandort in Kirchdorf. Die Gemeinde Ostseebad Insel Poel hat von dem Förderprogramm des Bundes profitiert und eine Förderung für insgesamt fünf neue Standorte auf der Insel erhalten. Durch die Installation von neuen Sirenen in den Ortsteilen Fährdorf, Vorwerk, Am Schwarzen Busch, Kirchdorf und Timmendorf erhält die Insel Poel wieder ein flächendeckendes Sirenennetz. Dieses ist seit Februar 2024 voll einsatzbereit. Zusätzlich wurde eine weitere Sirene in Weitendorf errichtet. Derzeit wird der weitere Ausbau des Sirenennetzes von jetzt sieben auf bis zu 12 Sirenen im Gemeindegebiet vorbereitet.
Neben den Sirenen setzt der Bund bei der Warnung der Bevölkerung aber auch auf das sogenannte „Cell Broadcast“ (Massen-Kurznachrichten). Mit dem Cell Broadcast werden Kurznachrichten mit Warninhalt an alle Empfangsgeräte in einer Funkzelle versendet. Der Vorteil dieser Technik ist, dass keine App benötigt wird und sie auch auf Geräten funktionieren, die keine Smartphones sind.